Amiga 1000
1985 stellte Commodore den ersten Computer der Amiga-Serie vor. Der Amiga 1000 genannte Computer wurde am 23. Juli im Lincoln Center in den USA das erste
Mal präsentiert. Die teure Show mit drei A1000 (mit Zubehör) und mehreren Video-Leinwänden ließ die Fachleute staunen. So wurde das "Rollkugeleingabegerät"
vorgestellt, welches neudeutsch damals auch "Maus" genannt wurde. Das Betriebssystem war unglaublich fortschrittlich und modern (echtes Multitasking, Maus,
usw.). Gezeigt wurde auch das bekannte "Boing Ball"-Demo. Auch wurde die Sprachausgabe (damals einzigartig) gezeigt genauso wie ein PC Emulator namens
"Transformer". Eine 3,5" Diskette in das Laufwerk gelegt, wurde der leistungsstarke Amiga ohne weitere Hardware zu einem PC kompatibel. Und dies damals
genauso schnell wie ein echter PC. Die Fachpresse staunte. Die Software Emulation wurde später trotzdem gegen eine Hardware-Erweiterung namens A1060 "Sidecar"
ersetzt. Prominente waren anwesend und Andy Warhol bearbeitete live ein digitalisiertes Bild der Sängerin Debbie Harry ("Blondie"). Er nutzte den Amiga
übrigens bis zu seinem Tod. Die musikalischen Fähigkeiten waren unerreicht, bis zu 4096 Farben darstellbar war damals unglaublich. Der moderner Prozessor
- ein Motorola 68000 - mit 16 Bit Technologie war der neue Standard (auch bei Atari ST, Apple Macintosh, usw.). Das schicke Gerät wurde von Frank Elstner
am 21. Mai 1986 in Deutschland (Frankfurt am Main, Alte Oper) mit einer ähnlichen Show präsentiert.
Erfolgreich war der sehr teure Amiga 1000 nicht. Schon 1987 wurde er von den Nachfolgern A500 und A2000 abgelöst und die Produktion kurze Zeit später eingestellt.
Das schicke, flache Gehäuse des Amiga 1000 ähnelt dem des C128-D, der auch 1985 präsentiert wurde. Die Tastatur hat wegen der Kompakten Ausmaße
eine merkwürdige Tastenbelegung. Dadurch ist aber gewährleistet, dass man die Tastatur nach der Arbeit unter das Gerät schieben kann, was Platz am
Schreibtisch sparen hilft.
Die Tastatur unterscheidet sich von den späteren Amiga-Tastaturen deutlich. Die Tasten wurden sehr kompakt angeordnet, gut zu sehen an den
Pfeiltasten. Auch der Ziffernblock enthält keine mathematischen Operationen. Die Tastatur wurde übrigens mit einem amerikanischen Telefonkabel
mit dem Amiga verbunden. Es ist somit die einizige Amiga-Tastatur, wo man das Kabel abnehmen kann. Im Hintergrund die erste Version: Amerikanische
Symbole aufgedruckt (in Europa wurden dann Aufkleber beigelegt). Im Vodergrund ist es schon mit den europäischem Standard bedruckt. Danach gab es
noch eine Version, mit kleinerer Enter-Taste (im frei gewordenen Platz gibt es eine weitere Taste).
An der rechten Seite sind die Maus-/Joystick Anschlüsse. Es gibt zwei Erweiterungs-Ports, welche normalerweise durch Abdeckungen verschlossen sind:
Vorne kann eine Speichererweiterung (im Bild die A1050 256 KB Memory Expansion) angeschlossen werden. An der rechten Seite gibt es einen weiteren
Erweiterungsbus. Hierfür gab es von Commodore das A1060 "Sidecar", das den A1000 PC-kompatibel macht. Diese Erweiterung wurde später von sogenannten
"PC-Brückenkarten" ersetzt. Denselben Erweiterungsanschluss findet man auch beim A500, allerdings auf der linken Seite. Dadurch sind die Erweiterungen
zwar an beiden Rechnern lauffähig, allerdings passen viele mechanisch nicht oder können nicht richtig platziert werden.
Links sitzt der Ein-/Ausschalter. Gut zu sehen sind die zwei Logos. Der Amiga-Haken wurde nur bei diesem Modell und dem Zubehör (z.B. A1010 Disk
Drive) verwendet. Später ist meist nur ein Commodore-Logo sowie ein ins Gehäuse eingeprägter Amiga-Schriftzug verwendet worden. Ein weiteres
interessantes Detail betrifft das Commodore Logo. Bei den ersten Modellen, die in Amerika verkauft wurden, war kein Commodore-Schriftzug
aufgedruckt. Dies hatte Marketing-technische Gründe. Commodore war in Amerika eher als Spiele-Computer bekannt. Der Amiga sollte professionell
positioniert werden. In Europa war der Ruf von Commodore als Bürocomputer-Hersteller dank der 8 Bit Bürocomputer PET/CBM besser.
An der Rückseite befinden sich folgende Anschlüsse (v.l.n.r.): Tastaturkabel (amerikanisches Telefonkabel), Parallel (kein Standard, Adapter notwendig),
Diskdrive, Seriell, Stereo Audio-Ausgänge, Video Port, TV-Modulator (A1000-spezieller Modulator) und Cinch-Video-Anschluss (gegenüber Amiga 500 und 2000
sogar in Farbe). Rechts der Lüfter des Netzteiles.
Hier die Unterseite des Amiga 1000. Gut zu sehen ist der Platz für die Tastatur. Das Kabel kann unter dem Computer durchgeführt werden (kleine
Aussparung am Steg links). Der Stromanschluss ist rechts oben neben dem Lüfter.
Eine Besonderheit ist an der Innenseite des Gehäusedeckels zu sehen. Hier wurden alle an der Entwicklung beteiligten Personen mit einer in die Form
gepressten Unterschrift genannt. Neben Jay Miner - Designer der Spezialchips - ist auch sein Hund Mitchy mit einem Pfotenabdruck zu sehen. Der Legende
nach soll Mitchy die Amiga-Chips designt haben. Als Jay Miner einen Entwurf fertig hatte, zeigte er ihn Mitchy. Je nachdem, wie der Hund reagierte, wurde
der Entwurf verworfen bzw. verwendet.
Innen die Platine des Amiga 1000, hier eine frühe Version. Die Chips stammen aus der 50. Kalenderwoche aus dem Jahr 1985 und sind großteils noch Keramik-Chips mit
Gold-Kontakten. Später wurden nur noch die günstigeren Plastikgehäuse und ohne Gold-Kontakte verwendet. Auch gut zu sehen ist die Zusatzplatine, welche über
der eigentlichen Platine sitzt. Diese Platine wird auch als "Piggyback-Platine" bezeichnet und kennzeichnet die ersten ausgelieferten Amiga 1000. Rechts das
Diskettenlaufwerk, das von Matsushita stammt. Links sitzt das längliche Netzteil mit dem Lüfter.
Spätere Amiga 1000 wurden vereinfacht und weniger aufwendig zu produzieren. Alle Bauteile sitzen auf einer Platine und somit waren die Produktionskosten geringer.
Ansonsten ist der Aufbau gleich wie oben beschrieben. In beiden Bildern nicht zu sehen: Das Abschirmblech, welches die gesamte Platine verdeckt. Es war notwendig,
da das Gehäuse aus Plastik besteht. So können Störeinflüsse von der Platine fern gehalten werden und gleichzeitig werden andere Geräte nicht gestört.
Mit dem Computer mitgeliefert wurde eine Disketten-Mappe mit allen wichtigen Betriebssystem-Disketten.
Nach dem Öffnen der Mappe findet man neben sechs Disketten (Kickstart, Workbench, Extras, Demo 1, Demo 2 und Mindwalker) sowie zwei freie Plätze
für eigene Disks oder Kopien der System-Disks. Auch eine Anleitung liegt bei.
Betriebssystem
Beim Einschalten des Amiga 1000 muss man eine Kickstart-Diskette einlegen. Da das Kickstart noch nicht ausgereift war, wurde es nicht, wie in den
anderen Amigas, fest eingebaut. Der Amiga fordert mit einem einfachen, weißen Bildschirm auf, eine Kickstart Diskette einzulegen. Dabei wird auch leise
eine Start-Musik abgespielt.
Nach einlesen der Kickstart-Diskette wird der normale Kickstart-Bildschirm angezeigt. Das Kickstart bleibt bis zum Ausschalten des Amigas erhalten.
Nun sieht man einen einfachen, weißen Bildschirm, der auffordert, eine Workbench Diskette einzulegen. Zu beachten: Im Gegensatz zu den Versionen
1.2 und 1.3 steht rechts unter der Hand keine Versionsnummer bei Kickstart 1.0.
Workbench 1.3 ist die beste der ersten Version des Betriebssystems. Der Blaue Bildschirm mit weißen Menüs wurde gewählt, da damals alte Fernseher
diese Farben am besten ohne zu verwischen darstellen konnten. Die Icons sind noch rechts angeordnet.
3D Modell
Man kann die Perspektive ändern, zoomen und auch die Beleuchtung verändern. Aufgrund der Fähigkeit, das Modell in 3D drehen zu können, wird ein
aktueller Adobe Reader (Version 8.0 oder besser) vorausgesetzt. Man kann die benötigte Software kostenlos von der Herstellerseite herunterladen.
Dieses 3D-Modell ist © APACHE DESIGN. Ich habe die Logos an der Vorderseite geändert sowie das 3D-Modell in das PDF umgewandelt.
Interessantes
Hi ToroDer Amiga 1000 wurde von der damals unabhängigen Firma Hi Toro entwickelt, die sich später in "Amiga" umbenannte, da der erste Name immer mit einem Rasenmäher-Hersteller verwechselt wurde. Neben der Entwicklung des Computers wurden auch Joysticks und das bekannte Joy-Board sowie Module für die Atari Konsole 2600 entwickelt. Da die Firma trotzdem Geldprobleme bekamen, zeigte man den damals unglaublich fortschrittlichen Computer auf einer Messe an interessierte Firmen. Damit der Prototyp namens "Lorraine" nicht beschädigt wurde, bekam er einen eigenen Platz in dem Flugzeug zu der Veranstaltung. Er wurde in eine große Kiste mit aufgemaltem Gesicht gesteckt und am Flugticket stand "Joe Pillow", ein fiktiver Name. Angeblich wurde sogar Essen für Joe Pillow bestellt und alle im Flugzeug wunderten sich. Auf der Messe wurde das bekannte Boing Ball Demo vorgeführt und viele glaubten, dass es sich um ein Video oder einen Trick handeln würde. Doch den Computer gab es, allerdings waren alle Chips auf riesigen Leiterplatten aufgebaut, die fehleranfällig waren.
Guru Meditation
Die bekannte Fehlermeldung "Guru Meditation" kommt daher, dass das oben erwähnte Joyboard (eine Art Brett, auf das man sich stellt und das die Bewegungen wie ein Joystick überträgt) bei jedem Absturz von den Entwicklern zum Nachdenken verwendet wurde. Es gab statt der Fehlermeldung ein kleines Spiel, man musste so ruhig wie möglich am Joyboard sitzen, und über den Fehler nachdenken, damit man ihn anschließend beheben kann. Später wurde die Fehlermeldung von Commodore in "Software Failure" umbenannt.
Dancing Fools
Oftmals mussten die Entwickler lange arbeiten, so gab es einige Tricks, um wach zu bleiben: Wenn der Computer allein arbeiten musste und damals kein Multitasking hatte, schlief der Entwickler und wurde durch einen programmierten Alarm aufgeweckt, wenn der Computer alle Befehle ausgeführt hatte. Eine andere Möglichkeit war, die Musik laut aufzudrehen und wild zu tanzen. Dies brauchte den Entwicklern den Namen "Dancing Fools".
RAM-Streit
Jay Miner, der wichtigste Entwickler des Amigas, wollte dem Amiga 1000 512 KB RAM einbauen. Commodore weigerte sich aber, und wollte nur 128 KB einbauen. Als Jay Miner dann wütend ind Urlaub ging, baute wer anderer 256 KB Speicher ein. Jay Miner war darüber nicht erfreut und er sollte Rech behalten: Die meisten haben den Amiga 1000 dann auf 512 KB aufgerüstet und spätestens mit dem Amiga 500 wurden 512 KB zum Standard für Programme.
Hund Mitchy
Jay Miners Hund Mitchy hat angeblich als einziger Hund weltweit einen Computer mitentwickelt. Er soll verschieden auf Zeichnungen von Jay Miner reagiert haben und so soll er entschieden haben, welcher Entwurf OK ist und welcher überarbeitet werden musste.
born a champion?
Als der Amiga 1000 erschien, gab es massive Probleme, den Computer in Stückzahlen auszuliefern. Es wurden nur sehr, sehr wenige A1000 produziert und die Nachfrage konnte nicht gedeckt werden. In Europa verzögerte sich die Einführung des Amiga 1000 um ca. ein Jahr. Dann entdeckte Commodore UK, dass mit einer speziellen Tastenkombination in der Workbench die Meldung "We made it ... they fucked it up!" erschien. Wegen dieser Meldung wurden alle produzierten Computer auf Lager gelegt und die Meldung musste herausgenommen werden und erst dann wurde der A1000 freigegeben. Die Meldung wurde abgeändert zu "Amiga - born a champion".
Vorstellung mit Andy Warhol
In dn USA wurde der Amiga mit einer sehr aufwendigen Präsentation für die Presse vorgestellt. Prominente wie Andy Warhol und Blondie stellten den neuen Amiga-Computer vor. Als Andy Warhol ein Bild von Blondie digitalisierte und in einem Bildverarbeitungsprogramm bearbeitet, verwendete er die Funktion "Füllen", welche noch nicht ausgereift war und sehr oft abstürzte. Als er herum klickte, warteten alle gespannt, ob ein Fehler auftritt. Doch zum Glück funktionierte die Funktion ohne Probleme. Auf die Frage, ob Andy Warhol schon zuvor an Computern gearbeitet hat, meinte dieser nur, dass er "auf diesen gewartet habe". Er nutzte den Amiga tatsächlich später für seine Arbeit. Außerdem wurde das seltene Laufwerk A1020 mit der Software-PC-Emulation "Transformer" vorgestellt. Später wurde die Software gegen die Hardware-Erweiterung "Sidecar" A1060 ersetzt.
Technische Daten
| Erscheinungsjahr: | 1985 |
| Gebaut bis: | 1987 |
| Ca. Neupreis: | € 3000 |
| Prozessor/Takt: | MC68000 (7,14 MHz) |
| Arbeitsspeicher: | 256 KB |
| Betriebssystem: | Kickstart 1.0 (von Diskette) / Workbench |
| Grafikchip: | MOS 8362 "Denise" und MOS 8370 "Agnus" |
| Auflösung: | 640x512 |
| Farben: | 4096 |
| Soundchip: | MOS 8264 "Paula" |
| Sound: | 4 Stimmen, Stereo |
| Chipsatz: | OCS |
| Maße: | 330 x 450 x 105 mm |
| Anschlüsse: | Strom Tastatur Expansion-Port Memory Expansion Stereo-Audio RGB Monitor Chinch-Video farbig Seriell Parallel (speziell) Disk Drive 2xJoystick |
| Erweiterung intern: | Speichererweiterung |
| Verkaufszahlen: | 127.500 (Deutschland) |
| Rarität: | ![]() |
Sammlung
Die abgebildeten Geräte befinden sich in der Sammlung!


